20. Jan 2026
Das Neujahrskonzert des Männerchors Eckartsweier und des Sinfonieorchesters Jonas unter der Leitung von Nicolas Jean am Samstag in Eckartsweier war ein echter Musik-Hochgenuss.

Am Samstag wurden die Zuhörer in der proppenvollen Festhalle Eckartsweier mit einem Ohrenschmaus vom Feinsten verwöhnt: Bereits zum zweiten Mal in Folge gestalteten der Männerchor Eckartsweier und das Sinfonieorchester Jonas ein Neujahrskonzert gemeinsam. Das Bindeglied war der renommierte Straßburger Dirigent Nicolas Jean, der beide Ensembles führt.
Der Männerchor ist inzwischen 107 Jahre alt und gilt als einer der wertvollsten Amateurchöre der Ortenau. Seit 2020 wird er von Nicolas Jean geleitet und geprägt. Das 2015 von Jean gegründete Amateur-Ensemble Jonas setzt sich aus deutschen und französischen Instrumentalisten zwischen 15 und 65 Jahren zusammen. Es bietet eine sehr hohe Spielqualität und beherrscht ein anspruchsvolles Repertoire. Von einem warmen, kompakten Klang und einem sehr breiten Band im Bereich der Dynamik ausgezeichnet, begeisterte das Orchester sowohl als Begleiter der Sänger als auch als Hauptdarsteller. Zusammen zündeten die Musiker ein Klangfeuerwerk voller erhabener und raffinierter Schönheit, das die Festhalle wie einen ehrwürdigen Konzertsaal wirken ließ.
En force und elegant
Franz von Suppés „Ouvertüre zur Leichten Kavallerie“ gab den Auftakt. En force und elegant zugleich gespielt, ließ das berühmte Stück ätherische Pferde und ihre Reiter durch den Raum galoppieren. Der Männerchor sang darauf gefühlvoll den „Pilgerchor“ aus Wagners „Tannhäuser“ mit Orchesterbegleitung. Anfangs wirkten die Sänger etwas angestrengt – denn sie standen hinter dem Orchester, und das war ziemlich weit vom Publikum entfernt. Mit ihren 40 Stimmen die Sonorität von 60 Instrumenten – mit gewaltigem Bläserkorps – in einem vollen Saal (mit problematischer Akustik) zu durchdringen und dabei trotzdem rund und harmonisch zu klingen, war keine leichte Aufgabe. Aber die leidenschaftlichen Sänger waren nicht zu überhören. Ihre geschliffenen Stimmen schwebten durch den großen Raum und bereicherten mit einer weichen Note den Klangteppich während der gesamten Darbietung.
Magische Komplexität
„Die Moldau“ von Bedrich Smetana war definitiv ein Höhepunkt des Abends. Das spieltechnisch sehr schwierige Stück entfaltete seine ganze magische Komplexität: mit rasenden Passagen – wie Gewässer in den Bergen – und mit weiten dynamischen Bögen zwischen Quellenflüstern und Murmeln und dann aber tosenden Klang-Apotheosen – kraftvoll wie ein Wasserstrom. Der „Jägerchor“ aus Carl Maria von Webers „Freischütz“, vom Männerchor munter und gut gelaunt vorgetragen, erdete wieder die Zuhörer.
Hexe entführt Dirigent
Und dann kam Edvard Griegs „Peer Gynt“-Suite mit Männerchor: spektakulär aufgeführt, dunkel brummend und gewaltig kreisend. Wunderbar der Einfall mit der bösen Hexe, die den Dirigenten von der Bühne entführte – das war recht unheimlich, ihre Stimme gruselig. Aber das kam sehr gut an.
Nach der Pause erklang als Erstes George Bizets „Farandole“ aus „L’Arlésienne“ – fröhlich-schwungvoll wie ein Bauerntanz. Den „Gefangenenchor“ aus Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“ sang der Chor darauf berührend, voller gefühltem Schmerz.
Strauss durfte nicht fehlen
Strauss durfte bei einem Neujahrsprogramm nicht fehlen. Und so „trillerte“ munter das Orchester mit den „Dorfschwalben aus Österreich“ im Walzer op. 164 von Josef Strauss und „galoppierte“ durch sonnige Täler mit der rasanten „Tritsch-Tratsch-Polka“ von Johann Strauss (Sohn), um dann mit seinem weltberühmten Walzer „An der schönen blauen Donau“ vor dem inneren Auge der verzauberten Zuhörer „Luft-Ballerinen“, weiß wie Kirschblüten, wirbeln zu lassen.
Publikum klatscht mit
Das Publikum jubelte minutenlang und verlangte Zugaben. Die Musiker ließen sich nicht zweimal bitten und verwöhnten das Publikum mit dem „Radetzky-Marsch“ von Johann Strauss (Vater), bei dem Sänger und Zuhörer zu „Perkussionisten“ wurden und im Rhythmus mitklatschten – mal pianissimo, mal fortissimo. Die Ovationen darauf waren gewaltig.
(Artikel auf Baden online am 20.01.2026, © Simona Ciubotaru)