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Starkes Frühlingskonzert des Musikvereins Eckartsweier

Eine bockstarke Vorstellung bot der Musikverein Eckartsweier bei seinem Frühlingskonzert. Für die Zuhörer war’s ein Erlebnis – und für einige auch aus einem ganz besonderen Grund. (Artikel auf Baden online am 01.06.2019, Autor Michael Müller)

Das gibt’s wohl nur in Eckartsweier: Die Musiker luden beim Frühlingskonzert einige Besucher aus dem Publikum ein, für ein oder zwei Stücke auf der Bühne Platz zu nehmen und das Konzert von dort aus zu verfolgen. ©Michael Müllerzoom
Das gibt’s wohl nur in Eckartsweier: Die Musiker luden beim Frühlingskonzert einige Besucher aus dem Publikum ein, für ein oder zwei Stücke auf der Bühne Platz zu nehmen und das Konzert von dort aus zu verfolgen. ©Michael Müller

Wenn ein Musikverein zu seinem Jahreskonzert einlädt, dann soll es für die Besucher auch ein besonderer Abend werden. Es ist der Höhepunkt des ganzen Jahres, für den die Musiker wochenlang geprobt haben – und da will man den Zuhörern auch was Besonderes bieten. Schön soll es klingen und bei den Zuhörern Eindruck hinterlassen – doch kaum einer im Publikum kann sich vorstellen, wie es sich für die Musiker anhört und anfühlt, wenn sie auf der Bühne spielen.

Besucher dürfen sich unter die Musiker mischen

Der Musikverein Eckartsweier geht da andere Wege. Bei seinem Frühlingskonzert in der Festhalle lud Vorsitzender Michael Kienle die Besucher ein, für ein oder zwei Stücke sich mal mitten zwischen die Orchestermusiker zu setzen und das ganze aus deren Perspektive zu erleben. Das sei ein ganz anderes Hörerlebnis, meinte auch Dirigent René Cristina. Nach anfänglichem Zögern nahmen einige Besucher diese Einladungen auch an – und sie bestätigten das, was Cristina versprochen hatte.

Jugend macht den Anfang

Den Anfang machte traditionell die Jugendkapelle. Seit diesem Jahr hat sich auch der Willstätter Nachwuchs der kleinen Spielgemeinschaft Eckartsweier/Sand angeschlossen. Einige der Zöglinge sind noch gar nicht so lange dabei, doch sie spulten ihr Programm – bestehend aus Hits der Mamas & Papas, der Beatles und von Santana als Zugabe – trotz ein paar kleinerer Wackler insgesamt sehr gekonnt ab.

Sinfonische Sound-Malereien

Die »Großen« präsentierten anschließend ein reizvolles, abwechslungsreiches Programm, das im ersten Teil vor allem den Freunden sinfonischer Sound-Malerei einige Highlights bot. »Tierra Ladina« etwa, ein dreiteiliges Werk, das die Geschichte des Ladina-Tals zum Thema hat – die majestätische Landschaft, aber auch die vielen Kriege, die dieses zwischen Bozen und Cortina d’Ampezzo gelegene Tal heimgesucht haben. Oder »Schmelzende Riesen«, eine Auftragskomposition für den 5. Österreichischen Jugend-Blasorchester-Wettbewerb, das die Auswirkungen des Klimawandels in den Alpen zum Thema macht und bei den Registerwechseln viel Akkuratesse verlangte. Vor allem der schnelle Mittelteil, der ein Schlittenhunderennen illustriert, stellt hohe Ansprüche an saubere Instrumentalarbeit – doch die Musiker gaben sich keine Blöße. Ein Medley mit Motiven aus »Starlight Express«, in dem sich Susanne Krieg, Elisabeth Nagel und Patrick Weinhold in kurzen Solo-Passagen auszeichnen konnten, und die kurze, feierliche »Fanfare For a New Age« zum Einstieg rundeten den ersten Teil ab.

Melodien aus Sergio-Leone-Western

Nach der Pause ragte vor allem »Moment For Morricone« heraus, das Themen aus den Italo-Western-Klassikern »Spiel mir das Lied vom Tod« und »Zwei glorreiche Halunken« verarbeitet. Da ließen die Musiker die Pferde durch die staubige Wüste traben, und das Unheil kündigte sich in leise pluckernden Paukenwirbeln an – ein äußerst abwechslungsreiches Stück, in dem Andreas Mehne in stilechter Aufmachung ein Trompeten-Solo blies. Das entspannte Kontrastprogramm lieferten die Musiker gleich im Anschluss mit dem Bossa-Nova-Welthit »Girl From Ipanema«, den sie sehr schön relaxt swingen ließen.

Schmissiger Marsch zum Abschluss

Ein Medley mit Neue-Deutsche-Welle-Hits und am Ende der selten gespielte Marsch »Unter der Admiralsflagge«, der mit weit ausholendem Tutti-Bläser-Schmiss zum Mitklatschen animierte – und fertig war ein Programm, das René Cristina die Faust ballen und Lobeshymnen an seine Musiker verteilen ließ – und das von den Zuhörern völlig zu Recht mit drei Zugaben honoriert wurde.

 
 
 
 

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